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Stadt wird zur Ader gelassen

Junge Liste beklagt unwürdige Behandlung durch Straßenbauamt

 HÖCHSTADT (enz) – Fast zwei Jahre muss Höchstadt bereits ohne eigene Aischbrücke auskommen. Bürger leiden unter zeitraubenden Umwegen, erste Gewerbebetriebe gaben auf. Eine Verbesserung der Verkehrssituation liegt dennoch in weiter Ferne. Dies ruft die Junge Liste auf den Plan. Fraktionssprecher Michael Ulbrich bestellt den Innenminister ein.

„Der Umgang des staatlichen Bauamtes mit der Stadt Höchstadt –immerhin ein Mittelzentrum in der Metropolregion Erlangen-Nürnberg – ist ein Skandal“, resümiert Michael Ulbrich kurz und knapp. Denn, so der Sprecher der Jungen Liste im Stadtrat, seit inzwischen zwei Jahren ist die Höchstadter Lebensader durchtrennt. Weil man zu lange nichts für die Ertüchtigung des rund 50 Jahre alten Bauwerkes getan hatte, musste die Aischbrücke abgebrochen werden. Doch damit nicht genug. In den Aufbau einer neuen, gut 5 Mio. Euro teuren, Brücke steckt die Nürnberger Behörde aus Sicht der Freien Wähler im Höchstadter Stadtrat nun zu wenig Energie. „Ich fahre beinahe jeden Tag auf der alten Aischbrücke an der Baustelle vorbei“, berichtet Michael Ulbrich sichtlich erregt. „Mehr wie vier Mann auf einmal habe ich die ganze Zeit noch nicht gesehen. Die Arbeiten verlaufen wie in Zeitlupe“, empört sich der von zahlreichen anderen Großprojekten erfahrene Kommunalpolitiker. Unterstützt wird er in dieser Position von seinem Stadtratskollegen Axel Rogner. „Während bei der von der Stadt geleisteten Sanierung der Hauptstraße auch samstags gearbeitet wurde, pausierten die Arbeiten an der Brücke im Sommer mehrere Wochen“, erinnert sich Rogner.

Nur eine von mehreren Pannen, die in Summe nun nicht mehr hinzunehmen sind, wie Ulbrich unterstreicht. „Schon die Planung beinhaltet gravierende Mängel“, so der JL-Fraktionssprecher. „Wir haben mit verschiedenen Experten gesprochen. Keiner sah die Notwendigkeit, den Bau auf zwei Abschnitte auszudehnen“. Und auch einer teilweisen Öffnung der Brücke habe sich das Straßenbauamt bislang verwehrt. „Dabei gehen die Geschäftsleute in der Zwischenzeit am Krückstock“, ist sich Ulbrich bewusst. Von Existenzängsten weiß auch Bürgermeister Gerald Brehm. Einige hätten bereits ihr Geschäft aufgegeben, andere könnten nicht mehr lange durchhalten. „Denn auch wer die Baustelle nicht direkt vor der Ladentür hat, leidet“, ist Brehm klar. „Weil Kundschaft von Außerhalb die Wahl hat. Vielen ist der Umweg über Lonnerstadt oder Gremsdorf zu weit, die fahren dann gleich weiter“. Was in Erlangen, Herzogenaurach oder Neustadt sicher positiv gesehen wird – in Höchstadt jedoch für leere Kassen und lange Gesicherter sorgt. Gerade jetzt, wo mit einer sanierten Innenstadt gute Rahmenbedingungen herrschen um der Konkurrenz im Internet mit Lebensqualität Paroli zu bieten.

Finanzieller Schaden ist der Stadt Höchstadt auch direkt entstanden. Wegen der gesperrten Brücke musste im Südteil der Stadt eine zweite Feuerwache eingerichtet werden. Auch musste man den öffentlichen Personennahverkehr verstärken, um Bürgern die Anschlüsse nach Erlangen zu ermöglichen. „Dafür hat Landrat Alexander Tritthart finanzielle Unterstützung zugesagt“, erinnert sich Brehm. Nicht zuletzt aus Dankbarkeit dafür, dass die Bürger auf eine mehrere hunderttausend Euro teure Behelfsbrücke verzichtet hatten. „Auch im Vertrauen darauf, dass die Brücke zum Weihnachtsgeschäft offen ist. Das war auch nicht der Fall“, so Brehm. Bis heute hat jedoch kein einziger Cent den Stadtsäckel erreicht. Beschwerden verärgerter Bürger und Hilferufe aus der Wirtschaft gehen dagegen beinahe Täglich im Rathaus ein.

„Weil es eine staatliche Baustelle ist, sind uns allerdings die Hände gebunden“, beklagt Ulbrich – der sich als Stadtrat vom Nürnberger Straßenbauamt nicht ernst genommen fühlt. „Entweder es ist niemand zu erreichen oder man bekommt freche Antworten“. Auch die örtliche CSU konnte bisher nichts ausrichten. „Alexander Schulz und Co betonen zwar immer ihre gute Vernetzung nach München. Passiert ist allerdings nichts“, resümiert Axel Rogner. Deshalb richtete die Junge Liste am Dienstagabend im Rahmen einer Pressekonferenz eine offene Botschaft an den Bayerischen Innenminister. Darin forderte man Joachim Hermann auf sich nicht nach Berlin aus der Verantwortung zu stehlen. „Kommen sie lieber nach Höchstadt und erklären Sie den Menschen dieses Desaster. Reden Sie mit den Gewerbetreibenden, deren Existenz auf dem Spiel steht und beschleunigen sie endlich den Bau“.

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